Mein Hobby, Genealogie

Vor etwa 12 Jahren hatte ich keine Ahnung von Familienforschung, oder vornehmer, von der Genealogie. Nachdem ich bereits seit Januar 1991 den Vorläufer unseres Internets, den sogenannten Bildschirmtext (BTX) nutzte, fand ich absolut zufällig einen Hinweis auf einen mir damals unbekannten Finkhäuser.
Damals war der Begriff "Suchmaschine", geschweige denn das neu-deutsche Verb "googeln" noch nicht erfunden. Ich war plötzlich nicht mehr der fast einzige Finkhäuser auf der Welt, sondern da irgendwo im Nebel gab es bisher unbekannte Menschen mit dem gleichen Familiennamen. Also fing ich einfach an und benutzte von Anfang an das Internet als Lern- und Informationsquelle. Mein erster Kontakt zur unbekannten Familie Finkhäuser war Reinhard Martin Finkhäuser aus Lohmar. Reinhard Martin war mir schon ein Stück voraus und hatte bereits viele Finkhäuser in Deutschland angesprochen und eine erste Übersicht über die heutige Familie Finkhäuser zusammengestellt.
Da packte mich dann das Forscherfieber. Ich erstand ein erstes Genealogieprogramm und tippte alle bekannten Leute mit den noch sehr dürftig vorhandenen Daten in die Maschine. Und fand gewaltige Löcher im Familien-Netz. Dann setzte der Lernprozess "Genealogie" mit Hilfe des Internets ein. Ich lernte wo man Kirchenbücher fand, wie man sie durcharbeiten konnte, und freute mich jedesmal wenn ich wieder einen neuen Finkhäuser fand und wieder irgendwo ein Familienchronik, wenn hier kein Bild angezeigt wird, ist Ihr Browser nicht korrekt eingestellt Loch im Familienenetz verschwand. Aus rund 30 Leuten mit dem Namen Finkhäuser wurden einige Hundert. Zu meiner Überraschung gehörten zur Familie plötzlich auch alle in Deutschland lebende Finkheiser. Und dann wurde es immer zäher. Einige Löcher im Netz waren (bisher) einfach nicht zu schließen.
Und da stehe ich nun heute. Ich habe gesammelt bis etwa 1730 und komme über diesen Punkt nicht hinaus, und ich habe nicht alle Löcher schließen können. Um vielleicht doch noch unbekannte Quellen zu erschließen, habe ich daher die Ergebnisse in unterschiedlichster Form als WEB-Page in das Internet gestellt und habe begonnen die Familienchronik auch als Buch zu verfassen.
In diesem Herbst/Winter werde ich nochmals die alten Kirchenbücher aus dem Kreis Gumbinnen von 1700 aufwärts durchflöhen. Denn diese Kirchenbücher habe ich als allererste vor etwa 10 Jahren durchgearbeitet. Aber damals war ich noch recht unerfahren, konnte die Altdeutschen Schriften (das war immerhin fast 200 Jahre vor Sütterlin) nur bedingt lesen und vermute, dass ich doch den einen oder anderen Eintrag nicht erfasst habe.
Ein Geburtseintrag,wenn hier kein Bild angezeigt wird,
ist Ihr Browser nicht korrekt eingestellt Wäre das ein Wunder bei Einträgen wie dem neben stehenden? Nicht nur die Sauklaue (bitte um Verzeihung für den Ausdruck) des Schreibers macht die Sache etwas schwierig. Der Gute hat auch den Geburtsort nicht gekannt und aus Norazszatschen phonetisch verfälscht Naureszaczen gemacht.Und wenn man dann noch herausfindet das Norazszatschen nur wenige Jahre später von der Landkarte verschwand und Ortsteil von Gumbinnen wurde, kann sich wohl jeder vorstellen dass alleine dieser Eintrag etliche Stunden Arbeit gekostet hat.
Das ist nur ein Beispiel von vielen die ich in den alten Kirchenbüchern des 18. Jahrhunderts gefunden habe.





Ein kleiner Rückblick

Eins darf man nicht vergessen, zur Zeit unseres Spitzenahns gab es immer noch Hexenverbrennungen, oder manchmal bereits humaner, die Hexen wurden enthauptet. Im Erdgeschoss des Mühldorfer (Mühldorf am Inn in Bayern) Rathauses lernen die Besucher leicht das Gruseln. Dort hat eine sogenannte Keuche die Jahrhunderte überdauert, ein finsteres Verlies, in dem einem die Sehnsucht nach der guten alten Zeit gründlich vergällt wird.

Ein Kerker um 1750

Vom 28. Januar bis zum 27. März 1749 war dort die 16-jährige Dienstmagd Marie Pauer eingesperrt. Mit Hilfe des Teufels soll sie im Haus eines Schmieds in der Katharinenvorstadt Mauerbrocken, Hämmer und Knochen durch die Gegend geworfen haben. Das Mädchen geriet in das Räderwerk, einer verblendeten Justiz und wurde am 6. Oktober 1750 als eine der letzten Hexen überhaupt in Salzburg mit dem Schwert hingerichtet. Mühldorf gehörte damals zum Erzstift Salzburg, weshalb der Hauptprozess gegen Marie Pauer dort stattfand.
Ich denke, wir haben es heute deutlich besser.


Meine letzten Funde

Das Foto eines Grabsteins im Internet

Grabstein Fritz-und-Bertha Finkhäuser So etwa alle 4-6 Wochen google ich nach den Namen Finkhäuser, Finkhauser und Finkheiser um vielleicht irgend etwas Neues zu finden.
Und immer wieder kommen kleine Überraschungen zu Tage. Das Internet wird einfach immer mehr zur Fundgrube auch für den Familienforscher.
Auch das hier gezeigte Bild eines Grabsteins kann man im Internet finden. Es hat mir wieder weitergeholfen, da ich von der hier gezeigten Bertha Finkhäuser aus einer anderen Quelle lediglich den Vornamen hatte, sonst nichts. Über die Gemeindeverwaltung von Osterbruch habe ich dann auch noch den einzigen Sohn gefunden, Walter Fritz Finkhäuser, der in einem Altenheim in Ihlenworth lebt. Er ist heute 81 Jahre alt, weiß zwar noch viel, aber leider doch keine Details oder alte Daten mehr. Von ihm habe ich aber erfahren, dass er und seine Eltern 1945 auch aus Ostpreußen fliehen mußten, und dass sie sich dann nach einigen Jahren harter Arbeit wieder einen kleinen Hof in Osterbruch gekauft haben. Diesen Hof hat er dann vor einigen Jahren wieder verkauft und ist in das Altenheim gezogen.
Kleinigkeiten in einer Familienchronik, aber eben doch ein weiterer Baustein.





Und wieder eine bisher unbekannte Eva Finkhäuser, verh. Knauf

Auch hier fand ich über Google einen Interneteintrag des Erzbistums Köln mit einem Heiratseintrag. Über das Internet konnte ich auch die Adresse und Telefonnummer herausfinden, und wieder war ein zusätzlicher Baustein gefunden. Eva Finkhäuser habe ich auf dieser WEB-Page eine eigene Ahnentafel gewidmet.

Die Auswanderung, beinahe eine Flucht, aus Ostpreußen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Viele unserer Vorfahren Finkhäuser/Finkheiser sind bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Ostpreußen ausgewandert. Ostpreußen war in dieser Zeit im Vergleich zu weiten Teilen Deutschlands ein armer bis armseliger Landstrich. Das galt zwar nur für die besitzlosen Klassen, aber dazu gehörten zu jener Zeit praktisch alle unsere Vorfahren.
Der folgende Zeitungsausschnitt mag auch für damalige Verhältnisse eine sehr einseitige Darstellung sein, aber irgendeinen Grund gab es ja für die enorme Auswanderungswelle aus Ostpreußen. Alleine in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts sind etwa 100.000 Ost und Westpreußen allein in die USA ausgewandert. Zu der Zeit hatte Ostpreußen weniger als eine Million Einwohner
Durch diese über Jahrzehnte dauernde Auswanderungswelle treten auch in unserer Ahnenschar immer wieder Löcher auf, da zu jener Zeit die einzigen Dokumentationen die Kirchenbücher waren. Wenn jemand aus dem Kirchsprengel weg zog, war er einfach verschollen. Der Familienforscher heute braucht daher eine gute Portion Glück um den Auswanderer ganz wo anders wieder aufzufinden.
Und wenn man sich die Tafeln mit den diversen Stammbäumen dieser WEB-Page ansieht, kann man leicht feststellen, dass die Zweige Solingen, Culm, Köppenthal, Vlotho und Gelsenkirchen/Dortmund alle um die Mitte des 19.Jahrhunderts durch Auswanderer aus Ostpreußen entstanden sind.

Am 27. Dezember 1845 berichtet das "Intelligenzblatt für den Landkreis Mainz" wie folgt über das ferne Masuren:

Ein Theil von Preußen sogar ist noch sehr unbekannt, Masuren nämlich, das der König dieses Jahr besuchte. Die Aermeren wohnen dort zum Theil als Troglodyten in Lehmhütten, welche an und in Berge gebaut sind. Sie haben stets nur eine Stube, die zugleich zum Aufenthalte für Hühner und im Winter auch für Gänse, sowie für die Schweine, jungen Kälber, Schaafe und Hunde, für die gesammte Hausgenossenschaft dient; sie ist daher ein höchst unliebenswürdiger Vereinigungspunkt für Rauch, Schmutz und die abscheulichsten Gerüche und für ein sinnverwirrendes Geschrei, Gackern, Schnattern, Bellen, Grunzen und Schnarchen.
Das Mobiliar einer solchen Wohnung, die durch ein Paar erblindeter, kleiner Fenster spärlich erhellt wird, ist höchst einfach: ein Tisch, einige Wandbänke, eine Bank am ungeheuern Lehmofen, eine große Bettstelle, worin Mann, Frau und Kinder schlafen. Betten kennt die Mehrzahl der Bewohner gar nicht; man schläft auf Strohkissen oder ganz auf Streu. Ein Spiegel ist ein unerhörter Luxus, eine Uhr wird nirgends angetroffen und Niemand versteht sich auch nach solcher zu richten. In den Winterabenden wird die Stube durch ein Kaminfeuer erleuchtet, welches man durch Reisig unterhält; auch steckt man wohl brennende Kienspähne in eine Ritze der Wand und läßt sie statt eines Lichtes abbrennen. Von Oel weiß man nichts; ein dünnes Talglicht kommt nur bei hohen Festen, zuweilen auch auf Dorfbällen vor. Geheizt wird im Winter über alle Maaßen stark, so daß der große Ofen stets glüht und die Kinder nackend in der Stube herumlaufen. Die Erbauung solch eines Wohnhauses kostet oft nicht mehr als 5 Tahler., weil man sich gegenseitig dabei hilft und ein solches Gebäude gar kein Eisen enthält. Die ärmeren Leute essen ihre Kartoffeln ohne Fleisch und ohne Fett, nicht selten auch ohne Salz. Kaffe kommt in keiner Wirthschaft vor, und es gibt ganze Dörfer, wo seit Menschengedenken keine Kaffeebohne und kein Stückchen Zucker hinkam. Thee, Chokolade, Senf und Gewürze sind Vielen nicht einmal dem Namen nach bekannt.

Nachforschungen in der Library of Congress in Washington

Vor einigen Jahren habe ich mir in Washington einen Leserausweis für die Library of Congress besorgt, und inzwischen dort diverse Stunden verbracht.
Der älteste Teil der Library of Congress ist ein wunderschönes 100 Jahre altes Gebäude mit einem imposanten Lesesaal. In diesen Saal kann man als normaler Besucher der Bibliothek nur einen Blick von einer der Emporen werfen. Mit Leserausweis hat man überall Zutritt und kann das Gebäude überall betreten. Was habe ich gesucht? Natürlich ausgewanderte Finkhäuser. Eigentlich sind die Auswanderer für die Stammbäume der in Europa verbliebenen Finkhäuser ja nicht besonders interessant, aber ich bin doch recht neugierig ob die handvoll Finkhauser, die heute in den USA leben nicht doch alle irgendwo mit und verwandt sind. Hier einer meiner Funde:
Mehr zufällig habe ich einen Band der Reihe „Germans to America, lists of passengers arriving at U.S. ports“ , herausgegeben 1988, Reprint 1998, ISBN 0842022791, Call Number der Bibliothek E184.G3 G38 1988 gefunden und ausgeliehen. Gesamt besteht diese spezielle Ausgabe aus 4 Bänden und umfasst die Jahre 1850 bis 1855. Der durchgesehene Band 1 enthielt die Passagierlisten von Jan 1850 bis May 1853. Gefunden habe ich einen Wilhelm Fichnaeurer, 28 Jahre, Schuhmacher aus Preußen, eingetroffen am 21. Juni 1852 in NY mit der Independence von London. Wenn man bedenkt, dass diese Bücher von irgendeinem fleißigen Menschen von den handgeschriebenen Passagierlisten abgetippt worden sind, sind Lesefehler und Buchstabendreher eigentlich vorprogrammiert. Nur durch verschieben des „n“ im Namen heißt der Gute plötzlich „Wilhelm Finchaeurer“ oder sehr warscheinlich sogar „Wilhelm Finkhaeuser“. Diesen Wilhelm habe ich bisher auch noch nicht in meinen Unterlagen, ich suche immer noch seine Spuren.